Es ist Februar, früher Abend. Ich stehe im Stall, neben mir ein altes Pferd am Heu – er macht sich drüber her wie immer. Und auf dem Boden darunter fällt mein Blick auf etwas, das ich bei alten Pferden immer wieder sehe: kleine, festgewickelte Heuröllchen. Halb zerkaut, wieder ausgespuckt.
Es sah so aus, als ob er gut frisst – warum kommt dann das Heu als Röllchen wieder raus?
Jahrelang hatte ich vor allem aufs Futter geschaut – die Menge, die Qualität, was in der Krippe landet. Aber ob das, was reinkommt, beim Pferd auch wirklich drinbleibt und ankommt – das war bei einem jungen, gesunden Pferd nie eine Frage. Bei einem alten Pferd ist das plötzlich eine ganz andere Geschichte.
Wahrscheinlich kennst du das. Dein Pferd wird älter, du fütterst wie immer – dasselbe Heu, dasselbe Mineralfutter, dieselbe Routine seit Jahren. Und trotzdem: Die Oberlinie wird schmaler, das Fell stumpfer, irgendetwas stimmt nicht mehr ganz. Im Stall heißt es dann schnell: „Der wird halt alt.”
Und ja – alt wird er. Aber „alt werden” und „schlechter versorgt sein” sind nicht dasselbe. Das Alter kannst du nicht aufhalten. Aber du hast es in der Hand, wie gut dein Pferd im Alter versorgt ist.
Lass uns das heute gemeinsam aufdröseln – damit du verstehst, was sich im Körper deines alten Pferdes wirklich verändert. Und was du davon mit der richtigen Fütterung auffangen kannst. Für dich. Und für dein Pferd.
Was sich im Alter wirklich ändert – und was nicht
Im Alter verändert sich wirklich etwas – aber nicht so, wie viele denken. Dein Pferd ist nicht das Problem. Sein Körper holt nur weniger aus demselben Futter heraus, und das fängt fast immer im Maul an.
Pferdezähne schieben ein Leben lang nach und schleifen sich beim Kauen wieder ab – ein feines Gleichgewicht. Im Alter kippt das: Die Reserve im Kiefer ist irgendwann aufgebraucht, dann wird mehr abgeschliffen, als nachkommt. Die Kaufläche wird glatt, wie ein Mühlstein, der über die Jahre flacher wird – und manche Zähne lockern sich oder fallen ganz aus. Ein glatter, lückiger Mühlstein mahlt nicht mehr richtig: Das Heu wird nicht mehr klein gekaut, sondern gewickelt und ausgespuckt – genau diese Heuröllchen, die du dann in der Box oder neben der Heuraufe findest.
Und genau hier beginnt das Abnehmen: Dein Pferd zerkleinert sein Heu nicht mehr richtig und nimmt schlicht zu wenig davon auf. Mit der Zeit baut es ab und wird dünner – obwohl in der Krippe dasselbe liegt wie immer.
Und was schlecht zerkaut ankommt, macht weiter hinten Arbeit. Grobes, langes Heu, im Winter oft zu wenig getrunken, dazu weniger Bewegung im Alter – so staut es sich leichter, und Verstopfungskoliken werden beim alten Pferd häufiger. Nicht, weil der Darm „müde” wird – sondern weil grobes Futter, zu wenig Wasser und zu wenig Bewegung ihm die Arbeit schwer machen.
Und manchmal kommt noch etwas erschwerend dazu. Wenn dein Pferd trotz guter Fütterung weiter abbaut – oder das Fell stumpf und struppig wird –, kann hinter dem Gewichtsverlust auch eine Krankheit stecken: Cushing (PPID) etwa – warum der Herbst der beste Zeitpunkt für den Test ist, habe ich im Fellwechsel-Beitrag erklärt –, oder Magengeschwüre, die durch Stress entstehen können, zum Beispiel wenn ein altes Pferd in der Herde unter Druck gerät. Nicht immer – aber oft genug, dass sich eine Abklärung lohnt, bevor du nur an der Ration drehst. Das gehört dann in die Hände deines Tierarztes, nicht in den Futtereimer.
Denn ein gesundes altes Pferd mit guten Zähnen holt aus seinem Futter oft genauso viel heraus wie ein junges. „Alt” allein macht die Verdauung nicht schlechter. Es sind fast immer die Zähne – und manchmal eine Krankheit dahinter.
Unterm Strich: Wenn die Zähne nachlassen, kommt von derselben Ration weniger bei deinem Pferd an. Es liegt nicht am Futter, sondern an den Zähnen.
Du fütterst also nicht falsch. Du fütterst nur ein anderes Pferd als vor zehn Jahren – auch wenn es noch genauso heißt.
Und dieses andere Pferd kannst du gut versorgen – meist einfacher, als du denkst. Was es dafür braucht: sein Heu in einer Form, die es auch mit schlechten Zähnen aufnehmen kann, regelmäßige Kontrollen beim Pferdezahnarzt – und ein paar Nährstoffe, die im Alter wichtiger werden. Das gehen wir jetzt der Reihe nach durch.
Ab wann ist ein Pferd eigentlich ein Senior?
Die Zahlen, die dir in Bezug auf altes Pferd, Senior oder geriatrisches Pferd begegnen, fangen oft schon bei fünfzehn Jahren an. Bei manchen fängt der Senior mit 18 oder 20 Jahren an, auch ab 25 Jahren hab ich schon gehört. Aber keine Quelle schreibt dazu, woher die Zahl eigentlich kommt. Auffällig ist nur, wo die niedrigen Zahlen stehen: meist dort, wo auch Seniorfutter angeboten wird.
Bei mir wird ein Pferd Anfang zwanzig zum Senior – und auch dann nicht wegen des Datums.
Zwei Untersuchungen aus England zeigen folgendes: Bei den Pferden ab fünfzehn Jahren war Übergewicht das häufigere Problem: 26 Prozent waren zu dick, 4,5 Prozent zu dünn. Erst bei den Pferden ab dreißig dreht sich das Verhältnis um – 16 Prozent zu dünn, 10 Prozent zu dick.
Mit fünfzehn ist dein Pferd also eher zu gut versorgt als zu schlecht. Eine Seniorration wäre da in den meisten Fällen die falsche Antwort.
Das Alter im Pass sagt dir wenig. Was dir etwas sagt: ob dein Pferd sein Heu noch klein bekommt.
Dein Pferd frisst nicht mehr richtig – woran es liegen kann
Wenn ein altes Pferd das Fressen einstellt oder deutlich langsamer wird, gehe ich nicht als Erstes ans Futter. Ich stelle mich dazu und schaue hin.
Das siehst du beim Fressen:
- Das Tempo – dein Pferd braucht für dieselbe Menge länger als die Pferde neben ihm
- Die Pause im Kauen – es hört mitten in der Bewegung auf und fängt wieder an, als müsste es kurz suchen, wo das Kauen noch geht
- Der schiefe Kopf – es hält den Kopf beim Kauen zur Seite, als täte etwas weh
- Der Futterwickel – halb gekaute Heuknäuel, die wieder aus dem Maul fallen
- Das Schlingen – der umgekehrte Fall: fast unzerkaut geschluckt, um einen schmerzenden Zahn nicht zu benutzen
Und dann gehe ich die Ursachen durch, in dieser Reihenfolge:
Die Zähne. Der häufigste Grund, und der, bei dem du am meisten tun kannst.
Eine neue Heucharge. Kommt frisches Heu vom Feld in den Stall, das vorher noch nie da war, lassen manche Pferde es einfach stehen. Das ist kein Drama und keine Krankheit – aber es erklärt, warum von einem Tag auf den anderen weniger gefressen wird.
Kommt dein Pferd überhaupt ans Futter? In der Gruppe wird das am häufigsten übersehen. Ein rangniedriges oder langsames Pferd steht zwar an der Raufe, frisst dort aber nicht in Ruhe. Das findest du nur heraus, indem du dich hinstellst und zuschaust.
Schmerzen. Arthrose kann dafür sorgen, dass das Fressen selbst unangenehm wird – der Kopf muss ja runter.
Cushing. Besonders, wenn dazu die Muskulatur über der Rückenlinie abbaut.
Wurmbefall. Die eingekapselten Larven zeigen sich in der Kotprobe nicht.
Und wenn dein Pferd plötzlich gar nichts mehr frisst, sich anders verhält, scharrt oder sich nach dem Bauch umschaut: Das ist kein Fütterungsthema. Dann denkst du an eine Kolik und rufst deinen Tierarzt an.
Ein Satz, der mir bei alldem hilft: Ein Pferd wird nicht dünn, weil es alt ist – sondern weil etwas Bestimmtes nicht mehr funktioniert.
Was füttern, wenn die Zähne nicht mehr mahlen?
Ein Pferdezahn hat einen Vorrat: den Teil, der im Kiefer steckt und über die Jahre nachgeschoben wird. Dieser Vorrat ist endlich. Ist er aufgebraucht, kommt nichts mehr nach, und der Zahn nutzt sich weiter ab.
Ab da geht es nicht mehr darum, das Gebiss in Ordnung zu bringen. Ab da geht es darum, das Futter dem Gebiss anzupassen.
Fehlt eine ganze Zahnreihe oder sind vorne die Schneidezähne weg, kann dein Pferd sein Heu nicht mehr aufnehmen und klein bekommen. Dann übernehmen andere Futtermittel diese Aufgabe:
- Eingeweichte Heucobs – der Ersatz, mit dem ich anfange
- Kurz gehäckseltes Heu
- Stark eingeweichte Rübenschnitzel
Zwei Dinge sind dabei wichtig, und beide werden oft übersehen.
Die Menge. Die Heucobs ersetzen das Raufutter, sie ergänzen es nicht. Wenn dein Pferd sein Heu nicht mehr aufnehmen kann, muss die entsprechende Menge über die Cobs kommen – das ist deutlich mehr, als die meisten anfangs füttern.
Die Aufteilung. Diese Menge geht nicht in zwei großen Portionen. Der Magen deines Pferdes ist auf ständiges Fressen ausgelegt, nicht auf Mahlzeiten – warum das so ist, steht hier →. Also mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt.
Und bleib beim Fressen dabei. So siehst du, ob der Eimer wirklich leer wird – und ob die anderen Pferde deins nicht davon vertreiben.
Warum dein altes Pferd mehr Eiweiß braucht
Das Erste, was bei einem alten Pferd nachgibt, ist fast immer dasselbe – und es ist nicht der Bauch. Es ist die Oberlinie. Der Rücken wird schmaler, über der Wirbelsäule zeichnet sich mehr ab, die Kruppe verliert ihre Rundung. Der Bauch dagegen bleibt oft, wie er war. Die Oberlinie schmilzt, der Bauch bleibt.
Eine ganzheitliche Pferdetherapeutin hat mir dazu einmal etwas gesagt, das mir bis heute nachgeht. Viele Pferde gelten als „zu dick” – dabei bekommen sie in Wahrheit zu wenig. Weil die Weide längst abgefressen ist und kein Heu danebensteht. Oder weil ein altes Pferd nicht mehr genug aufnehmen kann. „Diana, denk an die hungernden Kinder in Afrika”, sagte sie. „Der Bauch rund und aufgebläht – aber die Arme, die Beine, das Gesicht viel zu dünn. Die sind nicht dick. Die haben Hunger.” Genauso kann es beim Pferd sein: Der dicke Bauch täuscht darüber hinweg, dass eigentlich zu wenig ankommt.
Was du da siehst, ist Muskel – und Muskel ist gebautes Eiweiß. Damit der Körper ihn hält, braucht er ständig Nachschub an Eiweiß-Bausteinen, den Aminosäuren. Und genau hier treffen sich zwei Dinge: Im Alter baut der Körper Muskeln schwerer auf – und gewöhnliches Heu liefert oft nicht genug von den richtigen Bausteinen, um sie zu erhalten, allen voran Lysin. Was an guten Aminosäuren fehlt, siehst du irgendwann am Rücken.
Deshalb braucht ein älteres Pferd oft mehr Eiweiß – aber „mehr” ist hier die kleinere Hälfte der Antwort. Wichtiger ist die Qualität: gut verfügbares Eiweiß mit den richtigen Aminosäuren, und in einer Form, die dein Pferd auch zerkleinern und aufschließen kann. Ein zusätzlicher Eimer Kraftfutter ist meist nicht die Lösung – der belastet eher, als dass er die Oberlinie zurückbringt.
Ein schmaler Rücken heißt nicht, dass du automatisch etwas falsch machst. Er ist nur ein Zeichen, dass vielleicht nicht genug Futter und Eiweiß bei deinem Pferd ankommt – auch wenn die Krippe voll ist.
Warte nicht, bis du die Rippen siehst
Den größten Hebel hast du früher, als du denkst. Trotzdem warten viele mit dem Zufüttern zu lange: mehr Heucobs, eingeweichte Rübenschnitzel, eine zusätzliche Portion über den Tag verteilt – das kommt oft erst, wenn das alte Pferd schon sichtbar abgebaut hat. Wenn die Rippen sich abzeichnen, die Oberlinie weg ist, die Hüfthöcker hervorstehen.
Und dann ist es schwer. Ein Pferd, das einmal richtig abgebaut hat, bekommst du im Alter kaum wieder rund – da kannst du füttern, was du willst.
Deshalb: lieber zwei, drei Jahre früher anfangen als ein Jahr zu spät. Ein paar eingeweichte Heucobs, mehrere kleine Portionen über den Tag – schon bevor du überhaupt etwas siehst. Einen guten Zustand zu halten ist viel leichter, als einen verlorenen zurückzuholen.
Der Sicherheitszuschlag: Wovon es jetzt mehr sein darf
Es gibt ein paar Nährstoffe, bei denen der Bedarf im Alter tatsächlich steigt. Nicht bei allen – bei einigen wenigen. Fütterungsberater nennen das gern den „Sicherheitszuschlag”: ein kleiner Aufschlag obendrauf, weil der alternde Körper weniger verwertet und sich weniger Reserven leisten kann. Ein Aufschlag – kein Vorratsschrank.
Das betrifft vor allem die Spurenelemente Zink und Kupfer und die Vitamine A und E. Die kennst du vielleicht schon aus meinem Beitrag über das Immunsystem – dort sind sie die eigentlichen Arbeitstiere der Abwehr. Beim alten Pferd kommt einfach hinzu: Die Reserve ist dünner, also darf hier etwas großzügiger versorgt werden. Gerade bei Kupfer ist der Spielraum aber eng – etwas mehr ja, blind draufkippen nein (dazu gleich mehr). Selen gehört auch zu den wichtigen Spurenelementen, ist aber der Sonderfall – bei ihm gilt „großzügig” gerade nicht.
Und dann ist da noch Vitamin C. Ein gesundes, junges Pferd stellt sein Vitamin C selbst her, ganz von allein, es muss es gar nicht über das Futter aufnehmen. Im Alter aber – und besonders bei Pferden mit Atemwegs- oder anderen Dauerthemen – kann der Vitamin-C-Spiegel sinken. Dann kann eine Ergänzung sinnvoll sein, wo sie beim jungen Pferd völlig überflüssig wäre. Eine Sache ist dabei wichtig: Wenn du Vitamin C länger zufütterst, fährt der Körper seine eigene Produktion zurück. Setz es darum nie abrupt ab, sondern schleiche es über ein, zwei Wochen aus – sonst steht dein Pferd plötzlich ganz ohne da.
Bei all dem ist mir eine Sache wichtig: „etwas mehr dürfen” heißt nicht „blind draufkippen”. Gerade bei Selen liegt zwischen „gut versorgt” und „zu viel” nur ein schmaler Grat. Deshalb am besten so: erst schauen, was im Heu steckt und was deinem Pferd wirklich fehlt – dann gezielt auffüllen. Nicht auf Verdacht. Nach Befund.
(Und ja – kaum steht „Senior” auf dem Sack, kostet er das Doppelte. Aber das nur am Rande.)
Warum mehr nicht immer besser ist – wenn zu viel schadet
Wenn ein Pferd alt wird, kommt schnell der Reflex: Dann braucht er eben von allem eine Extraportion. Genau da musst du aufpassen – denn nicht jeder Bedarf steigt mit den Jahren. Manche bleiben gleich. Und bei einigen wird zu viel sogar zum Problem – etwa bei Selen, Eisen, Kupfer oder den Vitaminen A und D.
Besonders gut zeigt sich das beim Calcium. Pferde scheiden überschüssiges Calcium über den Urin aus – und ihr Urin ist von Natur aus mineralreich und basisch. Bekommt ein Pferd dauerhaft zu viel Calcium, kann sich genau dort etwas zusammenballen: Es begünstigt Harnsteine in Blase oder Harnwegen. Und die sind schmerzhaft – im schlimmsten Fall müssen sie operiert werden. Beim älteren Pferd, das solche Steine ohnehin eher bekommt als ein junges, willst du das erst recht nicht zusätzlich herausfordern.
Mehr Pulver, mehr Dosen, von allem eine Schippe drauf – das hilft dem alten Pferd nicht. Es belastet eher Nieren und Blase, kostet unnötig Geld und verdeckt am Ende, woran es wirklich fehlt.
Deine Aufgabe ist nicht, deinem alten Pferd von allem mehr zu geben. Sondern das Wenige aufzufüllen, das ihm wirklich fehlt – und den Rest in Ruhe zu lassen.
Wenn dein Pferd zunehmen soll
Der Reflex ist verständlich: Das Pferd ist zu dünn, also kommt mehr in den Trog. Nur bringt das wenig, solange der Grund nicht geklärt ist. Wenn die Zähne nicht mahlen, kannst du die Ration verdoppeln – es kommt trotzdem nicht mehr an.
Also erst die Ursache, dann die Menge. Und dann in dieser Reihenfolge:
Raufutter zuerst. Der beste Weg, den Energiegehalt anzuheben, ist mehr Heu – nicht mehr Kraftfutter. Das zahlt sich im Winter doppelt aus: Bei der Gärung im Dickdarm entsteht Wärme, die dein Pferd von innen heizt.
Langsam. Eine plötzliche Umstellung riskiert eine Kolik. Rechne für einen Futterwechsel zwei Wochen.
Wenn das Kauen schwerfällt: eingeweichte Heucobs oder ein Mash. Beides bringt zusätzlich Wasser mit – im Winter, wenn ohnehin zu wenig getrunken wird, ist das ein zweiter Gewinn.
Bleib beim Fressen dabei. So siehst du, ob der Eimer wirklich leer wird und ob die anderen dein Pferd nicht davon wegdrängen.
Miss nach. Alle zwei bis drei Wochen Brustumfang und Bauchumfang, immer an derselben Stelle. Am Auge siehst du eine langsame Veränderung nicht – am Maßband schon.
Und ein Gedanke, der dir vielleicht Druck nimmt: Bei den Pferden ab fünfzehn ist Übergewicht das häufigere Problem, nicht Untergewicht. Wenn deins zu dünn ist, ist das kein normaler Alterslauf, den du hinnehmen musst. Da funktioniert etwas nicht – und an jedem der möglichen Punkte lässt sich etwas tun.
Was du jetzt wirklich tun kannst – statt zu raten
Raten ist im Alter teuer. Es kostet Geld – und Zeit, die ein altes Pferd nicht mehr endlos hat. Die Alternative ist unbequemer – aber sie funktioniert: rechnen statt raten.
Das fängt nicht beim Futtersack an, sondern beim Maul. Lass die Zähne checken: einmal im Jahr sollte der Pferdezahnarzt ohnehin draufschauen, beim alten Pferd ruhig zweimal. Wenn dein Pferd Heuröllchen wickelt, kommt zuerst der Zahnarzt, nicht die nächste Dose. Denn solange dein Pferd sein Heu nicht richtig zerkauen kann, hilft auch die beste Dose nichts.
Wenn die Zähne nicht mehr mahlen, bring das Futter in eine Form, die es nicht mehr zerkauen muss: eingeweichte Heucobs, ein Mash, Raufutter zum Schlürfen. Das ist oft der größere Hebel als jedes Pulver – und zwar doppelt: Es kommt wieder etwas an, und dein Pferd frisst überhaupt erst wieder genug. Denn ein altes Pferd, das sich an hartem Heu nur noch abmüht und es halb gekaut liegen lässt, kommt über eingeweichte Cobs erst auf seine Menge.
Und dann lass die Ration einmal durchrechnen – am besten mit deinem Tierarzt oder einer Fütterungsberatung. Die Heuanalyse zeigt, was wirklich im Futter steckt – das ist die Basis. Ein Blutbild kann ergänzen, ist aber nur eine Momentaufnahme und sagt nicht bei jedem Nährstoff, wie dein Pferd versorgt ist. So weißt du, was fehlt, und füllst gezielt auf: das Eiweiß in guter Qualität, die Spurenelemente und Vitamine mit ihrem kleinen Aufschlag – aber nichts davon über den Bedarf hinaus.
Bei meinem eigenen alten Senior habe ich das einmal komplett durchgezogen. Drei Tage lang habe ich sein ganzes Futter auseinandergenommen und jeden Bestandteil einzeln angeschaut: Was braucht er wirklich – und wovon wie viel am Tag? Was überschneidet sich, was ergänzt sich? Wovon bekommt er zu wenig, wovon zu viel? Was ist doppelt gemoppelt – und kostet mich am Ende nur unnötig Geld? Und was lässt sich besser machen?
Das war nicht nur spannend, sondern richtig lehrreich – vor allem, womit Futterhersteller gerne werben und was sich hinter den schönen Marketing-Sätzen wirklich verbirgt, wenn du einmal ins Detail gehst.
Dein Senior-Check für den Stall
- Schau ins Maul – oder lass den Pferdezahnarzt schauen. Liegen Heuröllchen in der Box oder an der Heuraufe? Riecht das Maul streng, fällt Futter aus dem Maul? Dann ist die Zahnkontrolle nötig, bevor du irgendetwas zufütterst.
- Fühl die Oberlinie ab und schau sie dir genau an. Wird der Rücken schmaler, sind die Rippen extrem sichtbar, während der Bauch bleibt? Das ist oft das Eiweiß – nicht „nur das Alter”.
- Pass die Futterform an. Kaut dein Pferd schlecht oder hat es schon Zähne verloren, braucht es sein Raufutter eingeweicht – als Cobs oder Mash, vielleicht sogar mehrmals täglich, da zu große Mengen auf einmal ungesund sind.
- Lass die Ration durchrechnen. Basis ist die Heuanalyse, das Blutbild ergänzt sie nur (Momentaufnahme). Dann gezielt auffüllen, statt zehn Dosen auf Verdacht zu kaufen.
Ich weiß, das klingt nach Aufwand. Nach Maul aufmachen, Heu einweichen, Werte durchgehen, während andere einfach das „Senior”-Müsli kaufen und gut.
Aber genau das ist der Punkt. Das nächste Mal, wenn am Stall jemand sagt „der wird halt alt”, musst du nicht widersprechen. Du schaust deinem Pferd ins Maul, fühlst die Oberlinie und weißt, woran du bist. Alt wird er. Aber ob er satt wird, ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt ist und sich wohl in seiner Haut fühlt – das hast du in der Hand.
Die 5 wichtigsten Dinge
- 1
Was sich ändert
Im Alter kommt weniger aus demselben Futter an – meist wegen der Zähne, nicht weil das Alter die Verdauung von selbst verschlechtert.
- 2
Eiweiß
Die Oberlinie schmilzt zuerst. Ältere Pferde brauchen oft mehr – vor allem aber besser verfügbares – Eiweiß.
- 3
Sicherheitszuschlag
Bei Zink, Kupfer, Vitamin A, E und C darf es etwas mehr sein – nach Heuanalyse, nicht auf Verdacht. Selen dagegen vorsichtig dosieren: zu viel schadet.
- 4
Calcium
Nicht alles hochdrehen: Zu viel Calcium kann beim alten Pferd schmerzhafte Harnsteine begünstigen.
- 5
Was du tust
Zähne checken, Futter aufschließbar machen, die Ration durchrechnen – rechnen statt raten.
Vertraue deiner Perspektive.
— Diana, Pferdesicht
Du möchtest so eine Futteranalyse für dein Pferd? Schreib mich gerne an – ich biete sie gezielt an. Schreib mir →
Quellen
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