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Strahlfäule, Mauke, kaputtes Fell: Was du im Winter wirklich gegen Matsch tun kannst

Was dein Pferd im Matsch wirklich braucht, welche Pflege-Routinen überflüssig sind – und warum weniger oft mehr ist. Für Box und Offenstall.

von Diana9 Min. Lesezeit
Diana

Diana

30 Jahre Pferdeerfahrung · Reittherapeutin · Pferdesicht Gründerin

In diesem Artikel:

  • Winterfell bürsten: Die Wahrheit über die Talgschicht
  • Huffett: Was der Huf wirklich braucht
  • Strahlfäule: Die echte Gefahr im Matsch
  • Nasse Beine und Mauke: Was sinnvoll ist – und was nicht
  • Nützliche Tipps – und was du dir sparen kannst
Pferd steht im matschigen Winterpaddock

Es ist Februar. Der Paddock ist eine einzige Matschlandschaft. Die Hufe deines Pferdes verschwinden bei jedem Schritt knöcheltief im Schlamm. Und während du dort stehst und zusiehst, geht in deinem Kopf die Checkliste los:

Strahlfäule checken. Hufe säubern. Huffett auftragen. Beine abspritzen? Oder lieber trocknen lassen? Und das Fell – soll ich bürsten oder zerstöre ich damit die Fettschicht?

Kennst du dieses Gefühl, wenn du mehr Fragen als Antworten hast – und jeder im Stall es anders macht?

„Ich fette die Hufe jeden Tag ein."

„Ich wasche die Beine nach jedem Paddockgang ab."

„Bürsten im Winter? Niemals! Das zerstört die Fettschicht!"

Und du stehst dazwischen und fragst dich: Was davon stimmt eigentlich? Was hilft wirklich – und was ist gut gemeinte Gewohnheit, die vielleicht mehr schadet als nützt?

Lass uns das heute gemeinsam sortieren, damit du weißt, worauf es wirklich ankommt. Und worauf nicht.

Winterfell bürsten: Die Wahrheit über die Talgschicht

Das Winterfell deines Pferdes ist mehr als nur eine dicke Haarschicht. Es ist ein ausgeklügeltes Schutzsystem – mit einer Talgschicht (Sebum), die das Fell wasserabweisend macht.

Die Talgschicht schützt das Fell vor Nässe. Zu intensives Bürsten entfernt sie jedoch.

Stell dir das so vor: Diese Fettschicht ist wie eine unsichtbare Regenjacke. Sie sorgt dafür, dass Wasser abperlt, anstatt ins Fell einzudringen. Und sie hat noch eine zweite Funktion: Schmutz haftet an der Fettschicht, nicht an der Haut. Wenn dein Pferd sich bewegt, fällt der getrocknete Schmutz von selbst ab.

Das Problem: Wenn du jeden Tag intensiv bürstest – mit harten Bürsten, viel Druck, gründlich bis auf die Haut – entfernst du genau diese Schutzschicht. Das Fell verliert seine Wasserabweisung. Und du musst noch mehr bürsten, weil der Schmutz jetzt tiefer eindringt.

Offenstallpferde sehen oft aus wie Schlammmonster. Und das ist okay – außer sie haben eine Decke an. Dann musst du die Stellen unter der Decke sauber halten, damit nichts scheuert. (Wann eine Decke überhaupt sinnvoll ist, habe ich im Beitrag übers Eindecken erklärt.)

Du kämpfst nicht gegen Schmutz. Du arbeitest mit einem Fell, das sich selbst reinigt – wenn du es lässt.

Huffett: Was der Huf wirklich braucht

Hier wird es kontrovers. Und ja, ich war selbst mal in der Fraktion „viel Fett hilft viel".

Heute? Die Hufe meines Pferdes haben seit vielen Jahren weder Huffett noch Huföl gesehen. Und ich habe keinen Unterschied bemerkt. Nur in meinem Geldbeutel.

Huffett auf nasse Hufe ist wie Nagellack auf nasse Fingernägel – sieht gut aus, hält aber nicht.

Was ich erst im Laufe der Zeit und durch die Beschäftigung mit dem Thema verstanden habe: Der Huf ist wie ein Schwamm. Er nimmt Feuchtigkeit auf UND gibt sie ab. Das ist ein natürlicher Regulationsmechanismus. Huffett versiegelt den Huf – in beide Richtungen.

"

Huffett-Industrie: „Benutze mich täglich!"

Der Huf: „Wer hat dich gefragt?"

Ich will nicht sagen, dass Huffett nie sinnvoll ist. Es gibt Situationen, in denen es Sinn machen kann:

  • Bei chronisch nassen Paddocks – als Schutzschicht VOR dem Aufenthalt im Matsch
  • Bei Boxenpferden, die auf ammoniakhaltigem Einstreu stehen
  • Bei sehr rauen, grobkörnigen Sandböden, die das Hufhorn stark abreiben

Aber: Als tägliche Routine nach dem Putzen? Bei gesunden Hufen unter normalen Bedingungen? Da tust du deinem Pferd und deinem Geldbeutel einen Gefallen, wenn du es einfach weglässt.

Wann Huffett tatsächlich Sinn macht

Gesunde Hufe, normale BedingungenNein
Nach dem Putzen als „Pflege"Nein
Chronisch nasser Paddock (vor dem Rausgehen)Kann helfen
Sehr raue, grobkörnige SandbödenSituativ sinnvoll
Für Turniere/OptikWenn's schön aussehen soll

Strahlfäule: Die echte Gefahr im Matsch

Jetzt kommen wir zu etwas, das wirklich wichtig ist.

Strahlfäule entsteht nicht einfach durch Matsch. Wenn das so wäre, hätte jedes Offenstallpferd im Winter Strahlfäule. Die meisten haben sie nicht.

Strahlfäule entsteht häufig durch die Kombination mehrerer Faktoren – meist nicht durch Matsch allein.

Hier ist das Trio der Ursachen:

  1. 1Dauerhaft feuchte Hufe (Matsch, nasses Einstreu im Unterstand)
  2. 2Mangelnde Bewegung (Hufmechanismus funktioniert nicht richtig)
  3. 3Keine Trockenphasen (Huf kann nicht abtrocknen, keine trockenen Bereiche auf dem Paddock)

Und ein vierter Faktor, den viele unterschätzen: Ammoniak.

Ich habe Strahlfäule vermehrt bei Boxenpferden beobachtet, wo zu wenig gemistet wurde und das Einstreu nicht häufig genug gewechselt wurde. So standen die Pferde viel auf nassem, ammoniakhaltigem Einstreu. Das war keine Frage des Matsches – es war eine Frage der Hygiene.

Pferde aus der Box

Das Risiko: Wenn die Box nicht regelmäßig gemistet wird, steht das Pferd stundenlang auf uringetränktem Einstreu. Ammoniak greift das Hufhorn an.

Was du tun könntest:

  • Auf saubere, trockene Einstreu achten
  • Je nachdem wie lange dein Pferd in der Box steht: Nasse Stellen mehrmals täglich entfernen
  • Bei Matratzen-Einstreu kritisch sein – darunter sammelt sich oft Feuchtigkeit

Pferde im Offenstall

Das Risiko: Matschige Bereiche, in denen sich Kot und Urin sammeln – besonders vor dem Unterstand, an der Tränke, an Futterstellen.

Was du tun könntest:

  • Regelmäßig abäppeln (2-3x täglich macht einen messbaren Unterschied!)
  • Trockene Bereiche schaffen, auf die sich das Pferd zurückziehen kann
  • Kritische Stellen mit Paddockplatten oder Schotter befestigen

Ich habe einen Friesen, der früher regelmäßig Mauke bekam. Im alten Stall war das „normal" – fast alle Pferde hatten das. Erst nach ein paar Jahren im neuen Offenstall fiel mir auf: keine Mauke mehr. Was war anders?

Die Lösung war simpel: Im alten Stall wurde 1x am Tag abgeäppelt. Im Winter, bei matschigem oder gefrorenem Boden, oft noch seltener. Im neuen Stall? Konsequent 2-3x täglich.

Bessere Hygiene. Das war alles.

Nasse Beine und Mauke: Was sinnvoll ist – und was nicht

„Nach dem Paddock immer die Beine abspritzen und trockenreiben!"

Kennst du diesen Ratschlag? Er klingt logisch. Schlamm ab, Beine trocken, Problem gelöst.

Aber hier ist die Sache: Nicht Nässe ist das Problem, sondern dauerhaft feuchte Haut.

Wann Abspritzen Sinn macht – und wann nicht

Matsch, der von selbst abtrocknen würdeLieber warten
Dicke Krusten, die die Haut reizenVorsichtig abspülen
Vor dem Eindecken (Fell muss trocken sein)Aber dann vollständig trocknen lassen
Täglich nach dem Paddock „weil man das so macht"Meist unnötig

Was Mauke wirklich verursacht

Die häufigsten Auslöser:

  • Chronische Feuchtigkeit ohne Trockenphasen
  • Ammoniak aus Kot und Urin
  • Geschwächtes Immunsystem

Pferde mit viel Fesselbehang (Friesen, Tinker, Kaltblüter) sind anfälliger – nicht weil der Behang „schmutzig" ist, sondern weil er ein feucht-warmes Mikroklima schafft, in dem Bakterien gedeihen.

Nützliche Tipps – und was du dir sparen kannst

Was wäre, wenn 80% deiner Winter-Pflegeroutine überflüssig wäre – und die restlichen 20% das Einzige, was wirklich zählt?

Hier sind die 20%:

  1. 1Regelmäßig abäppeln – 2-3x täglich, besonders im Winter
  2. 2Trockene Rückzugsbereiche schaffen – ob Box oder Offenstall
  3. 3Hufe regelmäßig auskratzen – Schmutz raus, Strahl kontrollieren
  4. 4In Ruhe lassen, was funktioniert – das Fell, die Hufe, das System

Der Rest? Kannst du dir oft sparen.

„Ein bisschen Matsch hat noch keinem Pferd geschadet." – Stimmt. Aber chronische Nässe ist kein bisschen Matsch.

Der Unterschied liegt im Detail: in den Trockenphasen, in der Hygiene, in dem, was du NICHT tust.

Dein Pferd hat ein von der Natur eingebautes System, das sich lange bewährt hat. Fell, das sich selbst reinigt. Hufe, die Feuchtigkeit regulieren. Eine Haut, die sich an wechselnde Bedingungen anpasst.

Deine Aufgabe ist nicht, dieses System zu verbessern. Sondern die Bedingungen zu schaffen, unter denen es funktionieren kann. Und das ist eine gute Nachricht. Denn es bedeutet: Du musst nicht in allen Bereichen mehr tun, wenn es um die Fell- und Hufpflege im Winter geht. Du darfst auch an bestimmten Stellen mit ruhigem Gewissen mal weniger tun. Du darfst der Evolution deines Pferdes vertrauen, die das meiste schon für dich erledigt hat.

Vertraue deiner Perspektive.

— Diana, Pferdesicht

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Quellen

  • • Pollitt, C.C. (2004): Anatomy and Physiology of the Hoof Wall. Clinical Techniques in Equine Practice, 3(1):3-21
  • • van Eps, A.W. & Pollitt, C.C. (2006): Equine laminitis induced with oligofructose. Equine Veterinary Journal, 38(3):203-208 — Hufmechanismus und Feuchtigkeit
  • • Budras, K.D. et al. (2012): Anatomy of the Horse. 6th ed. Schlütersche — Hufphysiologie und Strahlstruktur
  • • Hampson, B.A. et al. (2010): Effects of environment on the domestic horse foot. Equine Veterinary Journal, 42(6):498-502
  • • Praktische Beobachtungen aus 20 Jahren Pferdehaltung in verschiedenen Haltungsformen
Die Inhalte basieren auf aktuellen Erkenntnissen und langjähriger Praxis, ersetzen aber keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Sie sollen dir helfen, informierte Fragen zu stellen und fundierte Entscheidungen für dein Pferd zu treffen. Dass du hier bist, zeigt: Du übernimmst Verantwortung – und genau das ist der beste Schutz für dein Pferd.
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